Designprojekt · Prozessdokumentation · 2026

Ein Behälter, der sich am Tisch festhält.

„clip“ ist ein Abfallbehälter für die Schreibtischkante: eine Klemme, die am Tisch bleibt, und ein Behälter, der sich zum Leeren mit einer Hand abhebt. Das Besondere ist nicht das Objekt, sondern der Weg dorthin — jede Rundung, jedes Spiel, jede Wandstärke hat eine begründete, nachlesbare Zahl. Diese Seite erzählt den Entwurfsprozess.

Wenig Zeit? Der Weg in sechs Stationen · die Bauteile drehen · Bilder und Videos · alles herunterladen

Der fertige clip an einer Tischkante: die graue Klemme hält sich unter der Platte fest, der blaue Behälter hängt darunter (Rendering)
Nutzvolumen (gerechnet)0,50 l
Ausgelegt für Platten von10–50 mm
Gedruckte Teile5
Werkzeug nötigkeins
Begründete Entscheidungen75
Der aktuelle Stand, gerendert aus den echten Konstruktionsdaten — gerechnet, noch nicht gedruckt: Von dieser Klemme existieren zwei Passproben aus dem Drucker, kein fertiges Teil (Kapitel 13). Der Behälter trägt das Blau des wirklich gedruckten Teils. Der Stift misst 100 mm.

Drei Wörter, die auf dieser Seite Verschiedenes bedeuten

Gemessen heißt: an einem gedruckten Teil geprüft, mit Hand und Messschieber — das gilt für das Führungsspiel (0,22 mm), das Gewindespiel und alles, was aus den Prototypen der ersten Klemme und den beiden Passproben des heutigen Portals kam. Gerechnet heißt: aus der Geometrie hergeleitet und bei jedem Bau von 27 Prüfungen nachgerechnet — Volumen, Überhang, Spannungen, Anzugsmoment. Das ist der größte Teil dieses Projekts, und es ist seine Stärke: Jede dieser Zahlen steht mit ihrer Begründung im Entscheidungsbuch. Angenommen heißt: gesetzt, weil niemand sie gemessen hat — der Seitenstoß (100 N), der Reibbeiwert, die Kraft zweier Finger. Auf diesen wenigen Zahlen ruht alles, was über Haltekraft gesagt wird.

Und die Klemme, die diese Seite zeigt, ist bis heute gerechnet, nicht geklemmt: Gedruckt sind zwei Passproben; der Testdruck liegt fertig in den Downloads. Eine Rechnung mit begründeten Zahlen ist kein schwächeres Argument als ein Gefühl — sie als Erfahrung auszugeben, wäre das einzig Unehrliche.

01 — Die Regeln vor der Form

Erst die Regeln. Dann die Form.

Drei Sätze standen fest, bevor die erste Skizze entstand. Jede spätere Entscheidung musste sich an ihnen messen lassen — mehrere schöne Ideen sind daran gescheitert.

Regel 1

Form folgt der Funktion — nicht der Mechanik

Form follows function, natürlich. Im 3D-Druck wird daraus aber fast immer: Form folgt der Mechanik. Zuerst steht das Gewinde, dann legt man ein Gehäuse darum — und man sieht es dem Ding an. Hier war die Reihenfolge: erst die Funktion (halten, mit einer Hand abnehmen), dann die Form, und die Mechanik musste sich in die Form einrichten. Nicht umgekehrt.

Regel 2 · 45°

Ohne Stützen druckbar — oder gar nicht

Ein Drucker kann nicht in die Luft bauen. Was zu weit übersteht, braucht Stützmaterial, das man hinterher abbricht — und das Narben hinterlässt. Also liegt jede Fläche so, dass sie sich selbst trägt. Diese Regel hat mehr Form erzeugt als jede Skizze — zu sehen in Kapitel 04.

Regel 3

Kein Maß ohne Grund

Jede Rundung, jede Wandstärke, jeder Spalt zwischen zwei Teilen ist eine Zahl, die begründet und aufgeschrieben wurde. Nichts wurde beim Drucken „passend skaliert“, nichts ist Zierrat: Wenn niemand sagen konnte, warum ein Detail da ist, flog es raus. Die Gründe stehen alle im Entscheidungsbuch.

02 — Fünf Formen, eine Trennung

Nicht die Form war zu entscheiden — sondern was bleibt und was tauschbar ist.

Zum Start entstanden fünf Körper mit identischem Innenvolumen: Turm, Schale, Kanzel, Prisma, Haken — der älteste erhaltene Stand des Projekts. Bewertet wurde nicht nach Geschmack, sondern nach den Fragen, die ein Objekt an der Tischkante beantworten muss: Liest sich die Silhouette aus zehn Metern? Stört es das Knie? Und vor allem — wie fühlt sich das tägliche Leeren an? Deshalb steht hier jeder Entwurf am Tisch, aus derselben Kamera, im selben Maßstab: Vergleichbar ist nur die Haltung, nicht das Rendering.

Der Anspruch stand von Anfang an: fünf Formen, ein Stecksystem. Nicht fünf Entwürfe, von denen einer gewinnt — sondern fünf Körper, die alle auf dieselbe Klemme passen sollten.

Die eigentliche Entscheidung fiel deshalb nicht zwischen den fünf Formen, sondern quer durch sie hindurch. Fest steht die Klemme: Sie hält den Tisch, trägt die Gewinde und die Führung — sie ist die Form, die nicht verhandelbar ist. Der Behälter hängt sich ein, und jeder Körper, der denselben Zapfen trägt, passt an dieselbe Klemme. Vier der fünf tun das bis heute — druckbar, nebeneinander, in drei Größen. Man kann sie in Kapitel 07 selbst aufstecken. Ein Behälter ist hier kein Entwurf, sondern ein Modul.

Nur die Kanzel ist wirklich ausgeschieden, und nicht aus Geschmack: Ihr Konzept war, dass der Behälter selbst die untere Klemmbacke ist. Sie widerspricht damit genau der Trennung, die das ganze System trägt — wer sie abnimmt, nimmt die Klemme mit. Am Haken wiederum wurde die Mechanik zu Ende gebaut und vermessen; er ist die Referenz, an der alle Passungen gemessen sind — nicht der Sieger über die anderen.

Entwurf Turm an der Tischkante
Silhouette des Turms
01 Turmmodul Schlank und hoch — braucht am wenigsten Platz an der Kante. Heute druckbar, in drei Größen.
Entwurf Schale an der Tischkante
Silhouette der Schale
02 Schalemodul Gedrungen und breit — am bequemsten zu treffen, ragt dafür weiter unter den Tisch.
Entwurf Kanzel, hängt unter der Tischplatte
Silhouette der Kanzel
03 Kanzelausgeschieden Ihr Körper ist die untere Klemmbacke. Genau deshalb kann sie kein Modul sein: Wer sie abnimmt, nimmt die Klemme mit.
Entwurf Prisma an der Tischkante
Silhouette des Prismas
04 Prismamodul Streng und kantig, fast architektonisch. Rückenplatte und Körper bleiben getrennt.
Entwurf Haken an der Tischkante — die Referenz
Silhouette des Hakens
05 HakenReferenz Faltet sich über die Kante; die Schwerkraft hält ihn in der Fuge. An ihm wurde die Mechanik zu Ende gebaut und jede Passung gemessen.
eine Klemme · ein Zapfen · vier tauschbare Formen
03 — Die Architektur

Zwei Aufgaben, eine Fuge, keine losen Teile.

Vergleichbare Produkte machen einen von zwei Fehlern: Entweder bestehen sie aus vielen Kleinteilen, die verloren gehen — oder sie sind ein einziges Teil, das man zum Leeren komplett abschrauben muss. Dreimal am Tag.

clip trennt die Aufgaben: Die Klemme ist Infrastruktur — einmal montiert, bleibt sie. Der Behälter ist das Gesicht des Produkts — er hängt sich mit einem Schwalbenschwanz ein und hebt sich mit einer Hand wieder ab. Eine einzige Fuge, und das eigene Gewicht drückt sie fest: Nichts klappert, nichts geht verloren.

Und wenn man mit dem Knie dagegenstößt? Die Klemme ist auf einen Seitenstoß von 100 N ausgelegt; angezogen drücken die beiden Schrauben rechnerisch mit rund 330 N gegen die Platte. Beide Zahlen sind gerechnet, und sie ruhen auf Annahmen — dem Reibbeiwert des Kunststoffs und der Kraft, die zwei Finger aufbringen. Geklemmt hat diese Klemme noch an keinem Tisch. Der weiche Fuß aus TPU soll halten, ohne die Platte zu markieren; auch seine Kennwerte sind angenommen, und der Fuß, der wirklich gedruckt ist und hält, gehört noch zur alten Klemme. Konstruiert ist sie für 10–50 mm Plattenstärke und darunter freie Fläche — an Tischen mit umlaufendem Rahmen findet sie keinen Halt.

Explosionsdarstellung: der blaue Behälter über der grauen Klemme, darunter die beiden Schrauben
Fügerichtungen. Der Behälter kommt von oben in die Führung, die beiden Schrauben von unten durch das Gewinde, die weichen Füße auf ihre Kuppen. Blau ist, was man in die Hand nimmt.
Blick von schräg unten an die Tischkante: die Klemme greift mit zwei Schrauben und gerändelten Scheiben unter die Platte
So hält sie sich fest — von unten gesehen. Zwei Schrauben, zwei gerändelte Scheiben, dazwischen die offene Mitte. Angezogen wird von Hand, ohne Werkzeug. Am fertigen Produkt sieht man diese Seite nie: Der Behälter hängt davor.
eine Fuge · Führung 46 mm · Spiel 0,22 mm
04 — Wenn die Fertigung mitentwirft

Die 45°-Regel hat das Gewinde geformt.

Das schönste Beispiel dafür, wie eine Fertigungsregel zur Form wird, sitzt unsichtbar im Inneren der Klemme. Jede der beiden Schrauben braucht ein Muttergewinde im Klemmkörper. Ein volles, rundes Gewinde hätte beim liegenden Druck aber überhängende Flächen erzeugt — verboten nach Regel 3. Ein halbes Gewinde hätte die Schraube einseitig weggedrückt.

Die Lösung: zwei gegenüberliegende Gewindebögen, oben und unten gekappt. Sie drucken sich ohne Stützen, und ihre Kräfte heben sich gegenseitig auf. Diese Form hat niemand „gestylt“ — sie ist der Schnittpunkt aus dem Weg der Kraft und dem Weg der Düse. Genauso bewusst ist die Druckrichtung gewählt: Die feinen Schichtlinien laufen als Textur um die stehenden Wände, statt als Fehler aufzufallen.

Druckplatte mit allen Teilen in Drucklage
Die Druckplatte der Klemme. Jedes Teil liegt in der Lage, in der es ohne Stützmaterial auskommt. Der Überhang ist nicht geschätzt, sondern an jeder Facette des Modells gerechnet0,00 mm², bei jedem Bau; der Generator bricht ab, sobald eine Fläche kippt. Eine Modellzahl, keine Druckzusage: Einmal sackte ein Fenster durch, obwohl es die Regel einhielt (D-069). Diese Platte hat der Drucker noch nicht gesehen.
05 — Prototypen

Das Material redet mit.

Kein Entwurf ist fertig, bevor man ihn gehalten hat. Die Prototypen dieses Kapitels sind die Ein-Schrauben-Klemme vom 10. Juli — der Entwurf, den das heutige Portal abgelöst hat (Kapitel 08). Sie ist gedruckt, gebrochen, verstärkt und in der Hand geprüft worden, und genau darum steht sie hier: Sie hat dem Projekt dreimal widersprochen und es jedes Mal besser gemacht.

Der Bruch. Die erste Schraube brach glatt am Übergang zum Flügel. Das Bruchbild zeigt warum: innen fast hohl, und die Bruchfläche folgt exakt den Druckschichten. Gedruckte Teile sind eben kein gegossener Kunststoff — sie haben eine Faserrichtung wie Holz. Die Antwort: massiver drucken, und jede scharfe innere Ecke durch eine Rundung ersetzen, die die Kraft um die Kurve führt.

Die Spitze. Am oberen Ende der Schraube saß ein spitzer Zapfen — technisch begründet, aber unschön und unangenehm. Die Forderung „das spitze Stück weg“ führte zu einer flachen Kuppel, die dieselbe Aufgabe übernimmt. Erst rechnen, was die Spitze leistet, dann eine Form finden, die es genauso kann: So bleibt Gestaltungsfreiheit ohne Funktionsverlust.

Die Hand als Messgerät. Der Erstdruck vom 10. Juli beantwortete vier Fragen, die kein Computer beantworten kann: Gleitet die Führung? Läuft das Gewinde über die volle Backe? Reichen zwei Finger am Flügel? Ist das Druckbild sauber? Viermal ja — gemessen mit den Händen (D-068).

Und geprüft wurde die erste Klemme, die mit der einen Schraube. Vom heutigen Portal sind bisher zwei Passproben durch den Drucker gegangen: die Gewinde-Leiter im echten Riegelband (D-074) und der Boden des Wischkanals (D-075). Der Klemmkörper selbst nicht. Ob er am Tisch sitzt, ob sich die Rändelscheiben mit zwei Fingern anziehen lassen, ob sich Krümel über die Zunge wischen lassen — das sind die Fragen des Testdrucks, der als Nächstes auf die Platte geht. Was offen ist, steht in Kapitel 13.

Bruchbild der ersten Schraube
Der Bruch, der den Entwurf verbessert hat. Im Schaftstumpf ist der hohle Kern sichtbar; die Bruchfläche folgt den Druckschichten.
Montierter Prototyp in der Hand
Der erste funktionsfähige Stand. Schraube im Gewinde des Klemmkörpers, weicher Fuß aufgesetzt — alle Passungen einwandfrei.
erste Klemme: Flügel 75 mm · 2,06 Nm · zwei Finger
06 — Zum Anfassen

Die echten Bauteile, drehbar.

Das hier sind keine Illustrationen, sondern die tatsächlichen Fertigungsdaten — dieselben Dateien, die der Drucker erhält. Ziehen zum Drehen, scrollen zum Zoomen.

Modell wird geladen …
ziehen: drehen · scrollen: zoomen

07 — Die Behälter-Familie

Vier Formen, drei Größen, ein Zapfen.

Hier wird eingelöst, was Kapitel 02 entschieden hat: Die Klemme ist keine Meinung — sie nimmt jede Form, die den richtigen Zapfen trägt. Deshalb sind die vier Entwürfe aus Phase 1 keine Alternativen, zwischen denen man sich entscheiden müsste, sondern Module: Haken, Turm, Schale und Prisma, jeder in 0,5 / 0,75 und 1,0 Litern — zwölf Behälter, eine Klemme. Das Entscheidende sieht man am Rücken: jede Form trägt denselben Zapfen an derselben Stelle. Wer die Fuge einmal misst, misst sie für alle zwölf — gemessen ist sie bisher am Coupon und an der Nut der Vorgängerklemme (0,22 mm, D-051, D-068); am heutigen Portal wird sie beim ersten Druck nachgemessen. Nichts ist skaliert — jede Größe wird neu auf ihr Volumen gerechnet, Wandstärke und Boden bleiben. (Die Kanzel fehlt mit Absicht: Ihr Körper war die Klemmbacke — sie ist die einzige Form, die kein Modul sein kann.)

Steck sie selbst auf. Form und Größe wählen — die Klemme bleibt dieselbe, der Behälter setzt sich in die Führung. Das ist keine Illustration: Jede der zwölf Einbaulagen ist im Projekt gegen die Klemme geschnitten worden und berührt sie mit 0 mm³. Was hier zusammenpasst, passt auch im Druck zusammen.

Form
Größe
Ansicht
Modell wird geladen …
ziehen: drehen · scrollen: zoomen

08 — Der Weg der Versionen

Sechs Stationen — und zwei Entscheidungen, die alles drehten.

Ein Entwurf ist keine gerade Linie. Der Rest dieser Seite zeigt immer den neuesten Stand — hier ist einmal der Weg selbst zu sehen: die Stationen, an denen der clip seine Richtung geändert hat, mit den Gründen. Zwei Kurswechsel tragen das ganze Projekt: der Wunsch, vom Tisch direkt in den Behälter zu wischen — und die Entscheidung, aus einer Spange zwei zu machen.

Die Kürzel D-001 bis D-073 in der linken Spalte sind die Belege: Jede Entscheidung des Projekts hat eine Nummer und einen begründeten Eintrag — nachzulesen im Entscheidungsbuch, jede Nummer ist anklickbar.

Station 1 09. Juli Phase 1

Fünf Formen, ein Sieger

Fünf Körper mit identischem Volumen traten gegeneinander an; gewonnen hat der Haken, weil er als einziger sauber trennt zwischen dem Teil, das am Tisch bleibt, und dem Teil, das man abnimmt (Kapitel 02). Diese Entscheidung hat alle späteren überlebt — die Silhouette von heute ist noch immer der Haken.

Station 2 09.–10. Juli D-024 – D-068

Eine Klemme, eine Schraube

Die erste Mechanik: ein mittiger Arm über der Platte, darunter eine große Schraube mit einem 75-mm-Flügel, oben ein weicher Fuß. Diese Klemme wurde gedruckt, vermessen (das Führungsspiel 0,22 mm stammt von ihr), nach einem Schraubenbruch massiv verstärkt und auf 10–50 mm Plattenstärke erweitert. Sie funktioniert bis heute — und war die Referenz, an der jede spätere Idee gemessen wurde.

Die erste Klemme mit einer zentralen Schraube, Renderblatt
Die Ein-Schrauben-Klemme (Stand 10. Juli). Ein Arm, eine ⌀18-Schraube, Flügel 75 mm, Anzugsmoment 2,06 Nm.
Station 3 11. Juli D-070 · D-071

Der Eimer wird ein Bauteil

Bis hierhin war der Behälter eine Studie neben der Klemme. Jetzt wurde er entschieden: 1,8-mm-Wand, exakt 0,500 l (das Volumen wird rechnerisch gelöst, nicht gewählt), stehend ohne Stützen druckbar. Gleich danach kam die Familie — vier Formen in drei Größen, alle mit demselben Zapfen (Kapitel 07). Ab jetzt gab es zwei gleichberechtigte Bauteile. Und damit eine neue Frage: Wie kommen die Krümel vom Tisch hinein?

Station 4 11. Juli Konzepte Kehre · Kragen

Der Wunsch: vom Tisch direkt in den Eimer

Der häufigste Handgriff am Schreibtisch ist kein Einwerfen, sondern ein Abwischen. Doch der Eimer hängt unter der Kante — zwischen Tischfläche und Eimermund lag eine Stufe, über die man Krümel heben statt schieben musste. Ein Foto aus dem Alltag setzte die neue Anforderung: Der Rand soll sich an die Tischkante stülpen, damit die Platte selbst zur Rampe in den Eimer wird.

Warum vom Tisch in den Eimer?

Weil die Kante keine Stufe sein soll, sondern eine Rampe: Was auf dem Tisch liegt, landet in einer einzigen Wischbewegung im Eimer — nichts fällt daneben, nichts bleibt liegen.

Drei Konzepte traten an (flache Zungen, voller Kragen, bündiger Rand), dann wurde der Kragen zur weichen Trompete. Dabei zeigte sich das eigentliche Hindernis: Der Arm der Klemme sitzt genau dort, wo gewischt werden soll.

Konzeptblatt Kragen: Eimerrand stülpt sich über die Tischkante
Konzept „Kragen“ (11. Juli). Der Eimerrand legt sich über die Kante; im Schnitt sichtbar: die Tischplatte läuft in den Eimermund aus. Das Konzeptblatt zeigt eine Studie ohne Klemme.
Station 5 11. Juli Split v3–v4 · Portal v9

Aus einer Spange werden zwei

Der Wischweg braucht die Mitte der Klemme — also wurde zuerst der Arm in zwei schmale Riegel geteilt, mit offenem Kanal dazwischen. Darunter saß aber immer noch die eine große Schraube mit ihrem Block. Die Anweisung, die den Knoten löste: „Den großen Block in der Mitte verschwinden lassen. Aus einer großen Schraube zwei Schrauben.“

Warum zwei statt eine?

Weil die Mitte dem Wischkanal gehört. Zwei kleine Schrauben außen halten dieselbe Platte mit halber Last je Gewinde — statt eines 75-mm-Flügels mit 2,06 Nm reichen zwei runde Scheiben mit je 0,84 Nm. Und der Flügel, der beim Drehen an den Eimerrücken schlug, ist einfach weg. (Beides gerechnet — gedreht hat diese Scheiben noch niemand.)

Konzeptblatt: Arm in zwei Riegel geteilt, Wischkanal in der Mitte
Der geteilte Arm (v4). Zwei Riegel, dazwischen der offene Wischkanal — unten noch die eine Schraube.
Konzeptblatt: offenes Portal mit zwei kleinen Schrauben
Das offene Portal (v9). Zwei ⌀14-Schrauben mit Rändelscheiben unter den Wangen, die Mitte komplett frei.
Station 6 11.–12. Juli D-072 · D-073

Das Portal — am Ende aus einem Stück

Auf dem Weg zum Bau fand eine Messprobe noch einen versteckten Fehler: Drei Konzeptblätter hatten eine Mitte gezeigt, die im Modell nie geschnitten worden war. Seitdem gilt verschärft: Geometrie wird am Körper nachgemessen, nicht am Bild abgelesen. Das gebaute Portal (D-072) ist eimerbreit, trägt oben den 38-mm-Wischkanal und unten das Riegelband mit den beiden Schrauben.

Die letzte Vereinfachung (D-073): Das Muttergewinde zieht direkt in das Band — dasselbe Zwei-Bögen-Prinzip, das die erste Klemme im Erstdruck am ⌀18 getragen hat (D-068) und das eine Passprobe am ⌀14 im echten Bandquerschnitt bestätigt hat (D-074) — nur zweimal und einen Durchmesser kleiner. Keine losen Muttern, fünf Teile, ein Montageschritt weniger. Der Preis steht dabei: Verschleißt ein Gewinde, wird die Klemme neu gedruckt — bewusst so gewählt. Wie die fertige Baugruppe aussieht, zeigen Kapitel 03 und 06.

Konzeptblatt v11: Portal mit offenem Wischkanal, Muttern in der Platte
Das „go“-Konzept (v11). Wischkanal offen bis in den Eimermund, Schrauben in der Platte — der Stand, der in den Generator gebaut wurde.
1 Schraube ⌀18 mm · 2,06 Nm → 2 Schrauben ⌀14 mm · je 0,84 Nm · Mitte offen 38 mm
09 — Das Entscheidungsbuch

69 Entscheidungen, jede mit Begründung.

Das ungewöhnlichste Werkstück des Projekts ist ein Text: Jede Änderung am Entwurf — vom Werkzeug bis zur letzten Rundung — wurde schriftlich begründet, Irrtümer eingeschlossen. Wer wissen will, warum eine Wand genau so dick ist, findet hier die Antwort. Jeder Eintrag trägt eine Nummer (D-001, D-002 …), auf die sich die ganze Seite beruft. Neueste zuerst.

Jede Zeile trägt, wer sie ausgelöst hat: Mensch, KI, KI-Prüfung (die Maschine hat sich selbst widerlegt) oder Werkstatt (das gedruckte Teil hat entschieden — ein Bruch, eine Messung, eine Handprobe). Die größte dieser Zahlen ist die unwichtigste: Sie misst Arbeit, nicht Urheberschaft. Eine menschliche Entscheidung löst zwanzig Ausführungsschritte aus — „aus einer Schraube werden zwei“ (D-072) hat den halben Entwurf neu geschrieben, der Schaftbruch der Schraube (D-059) die Wandstärke, die Rundungen und den ganzen Erstdruck. Wer entschieden hat, steht deshalb an jeder Zeile dieses Buchs und in keinem Diagramm.

10 — Galerie

Renderings, Werkstattfotos, Bewegtbild.

Die Renderings entstehen aus den Konstruktionsdaten selbst; die Fotos zeigen die gedruckten Prototypen auf der Werkbank.

Aus der Bild-Pipeline

Werkstattfotos

Werkstattfoto
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Videos

Videos starten ohne Ton — im Player einschaltbar.
11 — Downloads

Selber betrachten, selber drucken.

Ein kompletter clip sind drei Drucke, nicht einer: die Klemme mit ihren beiden Schrauben (233 g, 6 h 01 — darin fährt ein Messstück mit), ein Behälter nach Wahl (Haken 0,5 l: 90 g, 1 h 46) und die zwei weichen Füße aus TPU — anderes Material, anderes Druckbett. Zusammen rund 320 g Kunststoff, knapp 8 Stunden, etwa 8 € Material. Alle diese Zahlen sind Schätzungen der Drucksoftware — keine Waage, keine Stoppuhr.

Wer nachbauen will, fängt mit dem Testdruck an: dieselbe Geometrie, halbe Zeit, 144 g — er beantwortet, ob die Passungen sitzen. Erst danach der finale Entwurf. Dazu Fuss_TPU für die beiden weichen Füße und ein Behälter.

Wichtig, und zweimal teuer gelernt: Die 3MF-Dateien tragen Lage, Material und Einstellungen in sich — nur hat die Drucksoftware sie fünf Tage lang nicht gelesen. Bambu Studio öffnet die eingebetteten Werte nämlich nur aus einer Datei, die sich als seine eigene ausweist; unsere hießen im Dateikopf schlicht „clip“. Für den Slicer war das kein Projekt, sondern ein nacktes Modell: Er nahm die Form und darüber das Profil, das gerade offen stand — 2 Wände statt 8, ein Fünftel der Füllung, Stützmaterial im Gewinde. Keine Warnung, kein Fehler; nur ein anderes Teil (D-079). Vier Tage lang haben wir dafür das Preset verantwortlich gemacht (D-076) und den Riegel an der falschen Tür verschraubt.

Seit dem 13. Juli tragen die Dateien den richtigen Ausweis — die Einstellungen kommen jetzt an, und ein Klick auf „Drucken“ genügt tatsächlich. Die Probe machen wir trotzdem, jedes Mal: Zeigt die Vorschau Stützen oder deutlich zu wenig Gramm (der finale Entwurf wiegt 233 g), greift das Profil nicht. Dann nicht drucken. Ein Wächter, der die Datei durch die echte Drucksoftware schickt und nachliest, was sie wirklich fährt, steht seither im Projekt — es ist die einzige Prüfung, die nicht uns fragt, sondern die Maschine.

Die STL-Dateien sind nur die nackte Form, ohne Einstellungen; sie lassen sich in jedem 3D-Programm ansehen und mit einer eigenen Druck­software aufbereiten.

Anleitungsblatt: alle Teile, Reihenfolge der Montage
Die Anleitung auf einem Blatt. Was gedruckt wird, in welcher Reihenfolge es zusammengesteckt wird — Klick vergrößert.

Druckfertig (3MF, Bambu Lab P1S)

Geometrie (STL)

12 — Die Kosten

Was der ganze Weg gekostet hat.

Alle realen Drucke des Projekts, Fehldrucke eingeschlossen — denn auch sie haben ihren Platz verdient: Jeder hat eine Entscheidung ausgelöst, die den Entwurf besser gemacht hat. Gerechnet wird mit benannten Annahmen, nicht mit Gefühl (siehe Fußnote).

Das ist der Preis des Wegs. Ein einzelner clip kostet rund 8 € Material — siehe Downloads. Auch das ist gerechnet, nicht gewogen.

13 — Der ehrliche Schluss

Was offen ist.

Drei Dinge sind bezahlt, nicht gelöst. Verschleißt ein Gewinde, wird die Klemme neu gedruckt — es gibt keine Metallmutter, die man tauschen könnte. Das war eine bewusste Entscheidung: fünf Teile statt sieben, ein Montageschritt weniger.

Der Behälter hat keinen Deckel, also auch keinen Geruchsschutz; er ist für Papier und Krümel gebaut, nicht für Apfelreste. Und niemand weiß bisher, was der Kunststoff an einem Fensterplatz im Sommer tut oder ob die Klemme nach vier Wochen unter Last nachgibt — das misst man nicht in vier Tagen, das misst man im Gebrauch.

fünf Teile · kein Deckel · Langzeit ungeprüft